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PARTIELLE MONDFINSTERNIS AM 07.09.2006

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Langes Warten auf den Mond

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Was Sie hier hören, ist das Tuckern eines Schiffs auf dem Rhein, aufgenommen während der MoFi.

Für die erfolgreiche Beobachtung eines astronomischen Ereignisses, wie z.B. einer Sonnen- oder Mondfinsternis sind eigentlich nur 3 Dinge wichtig: Mobilität, Mobilität und Mobilität. Die Beachtung dieser Erkenntnis hat uns in der Vergangenheit bereits einige schöne Beobachtungserfolge verschafft (MoFi 04.05.2004, MoFi 28.10.2004, SoFi 2003, SoFi 2005, Venustransit 2004, Jupiterbedeckung 2002). Dennoch waren wir diesmal so mutig, den Beobachtungsort bereits im Voraus definitiv festzulegen. Das Restaurant Da Capo am Bonner Rheinufer versprach, wie eine "Probebeobachtung" am 10.07.2006 gezeigt hatte, excellenten kulinarischen und astronomischen Genuss - sofern das Wetter mitspielen würde.

Die Wetterprognosen, die an den Tagen vor der MoFi erschienen, waren allerdings wenig berauschend, wenn auch nicht hoffnungslos. Doch seit dem Vorabend des Ereignisses zeigten die Bewölkungs-Modelle ein optimistischeres Bild. Auch die letzte Version des Wetterberichts zur MoFi (07.09.2006, 17.00 Uhr) von Jürgen Vollmer ging davon aus, dass wir hier im Westen von Aufklarungen nach dem Durchzug der Kaltfront profitieren würden. Um 18.00 ist der Himmel allerdings noch einheitlich grau; meine Zuversicht wird von den anderen Teilnehmern des abendlichen MoFi-Buffets daher nicht unbedingt geteilt. Umso größer ist dann das Erstaunen, dass sich kurz vor 19.00 tatsächlich ein fast wolkenfreier blauer Himmel über Bonn wölbt. Die Vorhersage ist also eingetroffen.
Leider zeigt sich dann etwa ab 19.30 Uhr, dass auch die weiteren Wetterprognosen sehr treffsicher sind. In die Aufklarung hinter der Kaltfront sollen nämlich einzelne Schauer eingelagert sein. Und nun zieht es sich tatsächlich von Norden her wieder zu. Kurz nach 20 Uhr ist der Himmel vom Zenit Richtung Osten weitgehend bedeckt, doch können wir im Norden bereits wieder eine Aufhellung sichten. Während die anderen sich dem Buffet widmen, gehe ich immer wieder auf die Terrasse raus, um die weitere Entwicklung zu verfolgen und einige Fotos zu schießen. Ich bin zu diesem Zeitpunkt ziemlich sicher, dass wir den Mond noch vor Ende der Kernschattenverfinsterung (21.38 MESZ) zu sehen bekommen.

Beuel, Brücke und Siebengebirge
20.30 MESZ: Blick von der Terrasse des "Da Capo" auf die Rheinbrücke, Beuel und das Siebengebirge, leider mit doppelter Mondfinsternis. Bitte klicken Sie auf das Bild, um das Originalfoto (1.93mb, 3264*2448px) anzuschauen.


Während es zunehmend dunkler wird, schläft der bis dahin recht kräftige Wind zunehmend ein. Entsprechend zieht auch das Wolkengebiet gemächlicher dahin. Immerhin kann man um 21.00 Uhr bereits erahnen, wo der Mond steht. Die Wolkendecke ist nämlich nicht sonderlich dicht; es ist lediglich der perspektivische Effekt, der die Wolken vor dem tiefstehenden Mond zu einer grauen Mauer staffelt. Ein Blick nach Norden macht deutlich, dass die MoFi jetzt in Köln mit Sicherheit zu beobachten ist. Doch da es uns an den 3 wichtigsten Dingen - Mobilität, Mobilität und Mobilität - mangelt, müssen wir uns vorläufig mit der Betrachtung eines einsamen Skybeamers begnügen, der auf den am Freitag beginnenden Pützchens Markt hinweist. Allmählich beginne ich doch zu zweifeln, ob wir vom Kernschatten noch etwas zu sehen bekommen werden .... immerhin, ganz allmählich dringt immer mehr Mondlicht durch die Wolken.

Mond hinter Wolken
21.26 MESZ: Der Mond steckt immer noch hinter Wolken, aber man ahnt zumindest, wo er ist.


Mond wird sichtbar
21.35 MESZ: Da ist er endlich, doch leider nicht die Seite, die sich (noch für 3 Minuten) im Kernschatten befindet.


Inzwischen haben alle 7 Teilnehmer am "MoFi-Buffet" den Tisch verlassen und tummeln sich auf der Terrasse; weitere Minuten vergehen, der Mond verschwindet wieder, dann taucht erneut die untere Hälfte auf, endlich dann die ganze Mondscheibe - da ist freilich die Kernschatten-Phase bereits vorbei. Es wird einige Minuten diskutiert, ob die Eintrübung auf der nördlichen Mondhälfte von den Wolken oder vom Halbschatten verursacht wird. Der Einsatz eiens Fernglases ist wenig hilfreich, doch dann kann man den typischen grauen Schleier des Halbschattens mit bloßem Auge eindeutig erkennen. Von Minute zu Minute ist der Erdtrabant jetzt klarer zu sehen.

Halbschattenphase
21.49 MESZ: Freier, aber noch etwas getrübter Blick auf den Mond, 11 Minuten nach dem Austritt aus dem Kernschatten. Der Halbschatten ist oben rechts noch sehr gut sichtbar.


Ungetrübter Blick
22.00 MESZ: So hätten wir das gerne den ganzen Abend gehabt; wenigstens noch ein schönes Foto des Halbschattens.


Panorama mit Vollmond
22.12 MESZ: Blick von der Terrasse des "Da Capo" auf die Rheinbrücke, Beuel und das Siebengebirge, diesmal im vollen Mondlicht. Bitte klicken Sie auf das Bild, um das Originalfoto (712kb, 2400*1800px) anzuschauen.


Mindestens bis 22.10 ist der Halbschatten noch erkennbar, danach achtet keiner mehr so recht darauf, weil nun Nachtisch und Kaffee locken. Mir fällt derweil wieder ein, dass für 22.16 Uhr noch ein Iridium-Flare (-3 mag) vorausberechnet ist, den wir dann auch in der Nähe der Kassiopeia erspähen.

Als wir kurz vor 23.00 Uhr das Da Capo verlassen, sind wir die letzten Gäste. Obwohl wir von der Finsternis nach langem Warten auf den Mond nur noch den eher kümmerlichen Rest mitbekommen haben, ist es durchaus ein lustiger und unterhaltsamer Abend gewesen. Als ich nach Mitternacht via Internet die bereits veröffentlichten Fotos und Kurzberichte von der MoFi sichte, erreicht mich aus Düsseldorf eine SMS von Katja, die bereits wieder zu Hause ist: "Ralph hat die Finsternis richtig gut verfolgen können!!Leider hat er aber kein Foto gemacht." Angesichts dieser Nachricht steht fest, dass bei der nächsten MoFi wieder die 3 wichtigsten Dinge im Vordergrund stehen werden: Mobilität, Mobilität und Mobilität.